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Interkulturelle Kommunikation

The southern wall of the Temple Mount in Jerusalem beneath a clear blue sky, illustrating the historical and political setting of the Israel–Palestine conflict.

China nach dem 7. Oktober: Sprache, Geschichte und der Anspruch auf Neutralität

By Interkulturelle Kommunikation, Kommunikation, Narrative Strategie und Diplomatie, Uncategorized

Geopolitische Entwicklungen lassen sich nicht allein anhand offizieller Positionen beurteilen. Ebenso wichtig ist die Art und Weise, wie Staaten Sprache einsetzen, historische Zusammenhänge einordnen und politische Ereignisse interpretieren.

Mein jüngster Beitrag für das Telos-Paul Piccone Institute untersucht Chinas Reaktion auf die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 unter dieser Perspektive. Peking präsentierte sich als neutraler Fürsprecher des Friedens und rief zu Zurückhaltung, zum Schutz der Zivilbevölkerung sowie zu einer Zweistaatenlösung auf. Eine nähere Analyse offizieller Stellungnahmen, diplomatischer Initiativen und rechtlicher Interventionen zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild.

Im Mittelpunkt des Beitrags steht weniger die Frage, welche diplomatischen Beziehungen China unterhält, sondern wie staatliche Kommunikation Verantwortung, Opferrollen und politische Legitimität sprachlich konstruiert. Dabei zeigt sich, dass palästinensisches Leid konsequent in einen historischen Zusammenhang von Besatzung, Vertreibung und nationaler Selbstbestimmung eingeordnet wird, während israelisches Leid nach dem 7. Oktober überwiegend in allgemeiner humanitärer Sprache erscheint. Geschichte dient dabei nicht nur der Einordnung, sondern prägt den normativen Deutungsrahmen des Konflikts.

Auf Grundlage chinesischsprachiger Regierungsdokumente, diplomatischer Erklärungen und juristischer Stellungnahmen untersucht der Beitrag, wie sprachliche Entscheidungen politische Wirkung entfalten. Begriffe wie Terrorismus, Geiseln oder historische Ursachen sind keineswegs neutral, sondern beeinflussen Wahrnehmung, Legitimität und politische Handlungsspielräume.

Gerade für international tätige Organisationen reicht es deshalb nicht aus, politische Aussagen lediglich zur Kenntnis zu nehmen. Ebenso entscheidend ist es zu verstehen, wie Regierungen kommunizieren, welche Signale sie senden und welche Annahmen unausgesprochen bleiben.

Der Beitrag erscheint im Rahmen der Israel Initiative des Telos-Paul Piccone Institute, die den israelisch-palästinensischen Konflikt aus der Perspektive der Kritischen Theorie untersucht.

Den vollständigen Beitrag finden Sie hier:
https://insights.telosinstitute.net/p/china-after-october-7-selective-neutrality

 

Titelbild:Israel“ von Eugene Kaspersky</a>, lizenziert unter Creative Commons Attribution–NonCommercial–ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0), via Flickr.

Consulting

Geschäftskultur China: Realitätscheck für Handel und Partnerschaften

By China, Chinesische Kultur, Interkulturelle Kommunikation

Geschäftskultur China wird gerade wieder als Chance diskutiert – befeuert durch neue Gesprächskanäle zwischen London und Peking und eine sichtbare Neujustierung zwischen den USA und Europa. Doch aus geopolitischem Wetter darf man keine operative Wettervorhersage machen: Für Unternehmen bedeutet das nicht automatisch „mehr Handel“, geschweige denn „einfacherer Handel“. Wenn überhaupt, dann wird Zusammenarbeit selektiver, kontrollierter und stärker von Risikoabwägungen geprägt sein.

Was ich in Projekten immer wieder sehe: Viele scheitern in China nicht am Produkt oder am Preis, sondern an Erwartungen. Tempo wird als Commitment gelesen, Höflichkeit als Zustimmung, und „China“ als homogener Markt behandelt. Gerade deshalb ist Geschäftskultur China weniger eine Frage von Etikette als von Denk- und Entscheidungslogiken: Wer entscheidet tatsächlich? Welche Rolle spielen Status und symbolischer Respekt? Welche Interessen liegen hinter scheinbar widersprüchlichen Signalen? Und wie verändert sich das Gegenüber, wenn andere Stakeholder (z.B. lokale Behörden, HQ, Partnernetzwerke) ins Spiel kommen?

Ein paar praktische Leitplanken helfen, weder in Alarmismus noch in Wunschdenken zu geraten: Erstens interne Vielfalt ernst nehmen (Regionen, Branchen, Unternehmensformen). Zweitens Verhandlungen als Prozess verstehen, nicht als lineare Agenda – inklusive Symbolik, Rollenbildern und „Gesicht“. Drittens Robustheit bauen: Compliance, IP, Lieferketten, Governance und klare Exit-Optionen gehören ebenso dazu wie Beziehungspflege. Viertens: Das eigene Auftreten prüfen – Fachlichkeit auf Augenhöhe, ohne belehrenden Ton, aber mit klaren Grenzen.

Dazu habe ich einen Reader geschrieben: „China verstehen: jenseits alter Mythen und westlicher Logik“. Er ist bewusst kein Benimmkatalog, sondern eine Orientierung für Entscheidungen unter Unsicherheit – und für Partnerschaften, die auch dann tragfähig sind, wenn die Rahmenbedingungen rauer werden.

Der vollständige Beitrag erscheint bei memocine: https://memocine.de/business-knigge-china/

Danke an Markus Lempa und das Team von memocine Future Engineers für das Vertrauen, die präzise Redaktion und den Anspruch, Komplexität nicht zu vereinfachen, sondern handhabbar zu machen.

Chinas Blauhelme im Südsudan: Diplomatie, Narrative und die Sprache der Glaubwürdigkeit | InOtherWords

By Afrika, China, Einblicke aus der Feldforschung, Interkulturelle Kommunikation, Narrative Strategie und Diplomatie

Chinesische Blauhelme und die Diplomatie der Anerkennung

Mein neuester Beitrag für das China Global South Project untersucht, wie Chinas Beitrag zu den Friedenseinsätzen der Vereinten Nationen dargestellt wird – nicht nur in dem, was die Soldatinnen und Soldaten tun, sondern auch darin, wie ihre Arbeit beschrieben und gewürdigt wird.
Am Beispiel der jüngsten Medaillenzeremonie des 11. chinesischen Infanteriebataillons in Südsudan zeige ich, wie Sprache zur diplomatischen Strategie wird: eine Erzählung, die weniger über den erreichten Frieden spricht als über das Bild, das China von sich selbst in der Welt entwirft.

Diese Spannung zwischen Realität und Kommunikation zieht sich wie ein roter Faden durch meine Arbeit. Seit einigen Jahren analysiere ich, wie sich Politik, Wahrnehmung und Narrative in Chinas Engagement im Globalen Süden überschneiden. Für das China Global South Project habe ich regelmäßig über Chinas Rolle in Ostafrika und im Nahen Osten geschrieben.

Dieser neue Beitrag knüpft an diese Arbeit an – und zugleich an meine wissenschaftlichen Wurzeln. Während meiner Promotion verbrachte ich längere Zeit in Juba und forschte innerhalb der chinesischen Gemeinschaft, um zu verstehen, wie Frieden und Sicherheit dort erlebt, diskutiert und interpretiert werden. Diese Erfahrungen prägen bis heute meinen Blick auf Sprache, Diplomatie und Glaubwürdigkeit in internationalen Kontexten.

Der Artikel erscheint in einer Phase zunehmender Unsicherheit: In Südsudan nehmen die Spannungen erneut zu. Im Norden eskaliert der Konflikt, während innenpolitische Auseinandersetzungen die fragile Stabilität des Landes auf die Probe stellen. Juba fühlt sich heute deutlich weniger sicher an als noch vor einigen Jahren – ein Anlass, erneut zu fragen, was „Friedenssicherung“ eigentlich bedeutet und wessen Geschichten sie erzählen.

Zum vollständigen Artikel auf dem China Global South Project

Foto: Mitglieder des chinesischen Friedensbataillons bei einer UN-Medaillenzeremonie in Juba, Südsudan (2017). Foto von Eric Kanalstein / UNMISS, lizenziert unter CC BY-NC-ND 2.0.